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Skandalland Österreich . . . (k)ein Schurkenstaat ?

 Ein weiterer lesenswerter Artikel über Martin Schlaff:

http://wienerpolitik.foren-city.at/topic,155,-martin-schlaff-und-ariel-scharon.html


Profil vom 09.07.2007

Der Wiener Geschäftsmann und Kanzlerfreund Martin Schlaff rückt zunehmend ins Zentrum der Bawag-Affäre. Wie der geheimnisvolle Unternehmer mit besten Kontakten in alle Welt zu einem der reichsten Männer im Lande wurde. Und warum das Alfred Gusenbauer jetzt in Bedrängnis bringen könnte.

OE-INJ ist mehr als nur ein teures Spielzeug, auch wenn es auf den ersten Blick von baugleichen Modellen nicht zu unterscheiden ist. Der Businessjet Challenger CL 604 des kanadischen Herstellers Bombardier: 21 Meter Länge, 20 Meter Flügelspannweite, 7500 Kilometer Reichweite, 13 Sitzplätze. Neupreis: nicht unter 25 Millionen Dollar, Ledergestühl, Videosystem, edler Nassraum und Champagnerkühler inklusive.

Das Fluggerät schafft Strecken wie etwa
Wien-New York nonstop, weshalb es sich unter besser Situierten großer Beliebtheit erfreut. Und dennoch: An die in Österreich unter OE-INJ registrierte Maschine kommt so schnell nichts heran. Ein sehr kleiner Auszug aus der Passagierliste: Jassir Arafat, mittlerweile verstorbener Palästinenser-Präsident; Avigdor Lieberman, Vizepremier Israels; Alfred Gusenbauer, SPÖ-Bundeskanzler; Wolfgang Schüssel, ÖVP-Bundeskanzler a. D.; Hubert Gorbach, BZÖ-Vizekanzler a. D.; Helmut Elsner, ehemaliger Bawag-Chef; Leo Wallner, Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees und früherer Generaldirektor der Casinos Austria; Boris Nemsic, Vorstandschef der Telekom Austria; Ioan Hollender, langjähriger Direktor der Staatsoper.

Politiker, Wirtschaftskapitäne, Künstler, Moslems, Juden, Christen - die einen bestens beleumundet, die anderen weniger. Sie alle gingen in den vergangenen Jahren an und von Bord dieser blitzblank polierten Challenger
604. Auf Einladung eines Entrepreneurs, der im Begriff ist, in besten Mannesjahren zum Mythos zu werden: Martin Schlaff, 53.

Mit einem Privatvermögen von geschätzten zwei Milliarden Euro reiht er sich zwanglos unter die Reichsten der Reichen im Lande. Mit seiner nachgerade pathologischen Medienscheu auch unter die Geheimnisvollsten.

Fotos des gebürtigen Wieners sind Mangelware, öffentliche Statements ebenso. Genau genommen hat er sich in seinem Leben erst zweimal den Fragen eines Journalisten gestellt. Beide Male in profil (Nr. 18/02 und Nr. 04/06). Zu
einem weiteren jetzt angefragten Interview war er indes nicht bereit. "Herr Schlaff ist bekanntlich als Zeuge im Bawag-Verfahren geladen", so sein Sprecher Michael Fink. "Es ist ein Gebot der Seriosität, vorher keine Informationen über Medien zu verteilen."

Elsners Engel. Seit Schlaff im Herbst des Vorjahres eine Kaution in der Höhe von einer Million Euro legte, um seinen Freund und langjährigen Geschäftspartner Helmut Elsner aus französischer U-Haft zu holen, ist dem Mann mit dem akkurat gestutzten Bärtchen die ungeteilte öffentliche Aufmerksamkeit gewiss. Auch der mittlerweile abgeschlossene parlamentarische Untersuchungsausschuss begann sich zuletzt für Schlaffs Rolle im Bawag-Komplex, konkret: die Mobiltel-Affäre, zu interessieren (profil berichtete ausführlich). Schlaff muss sich nachsagen lassen, Elsner beim Vertuschen von Bilanzproblemen der damaligen Gewerkschaftsbank dienlich gewesen zu sein. Auch von verdeckten Treuhandschaften
für Elsner war zuletzt die Rede - als Gegenleistung dafür, dass die Bank die Übernahme des bulgarischen Mobilfunkbetreibers 2002 finanziert hatte.

Bewiesen ist nichts.

Wie so oft.

Schlaff musste sich im Laufe seiner Karriere die abenteuerlichsten Dinge nachsagen lassen. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde er verdächtigt, für die DDR spioniert zu haben; westliche Geheimdienste bezichtigten ihn später, auch chemische Kampfstoffe
in den Arbeiter- und-Bauern-Staat geschmuggelt zu haben; er soll in Israel über die Jahre Politiker aller Couleurs mit generösen Geldspenden bedacht haben und auch in Russland in dunkle Machenschaften verstrickt gewesen sein. Nicht eines dieser Gerüchte konnte jemals verifiziert werden.

Aber sie warfen Schatten.

Auszug aus einem am 23. Jänner 2006 veröffentlichten profil-Interview:

profil: Die Person Martin Schlaff umgibt seit Jahren der Nimbus des Geheimnisvollen. Sie geben kaum Interviews, es existieren nur wenige Fotos, dafür aber viele unkommentierte Gerüchte und Spekulationen. Was verrät uns das über Sie?

Schlaff: Ich denke, es gibt diesbezüglich im Wesentlichen zwei Kategorien Menschen. Die einen sehen sich gern in Medien
, die anderen weniger. Ich gehöre zu den Letzteren. Es mag sein, dass es ab und zu ein gewisses Interesse an meiner Person gab. Aber ich habe mich dem nicht gestellt. Mag auch sein, dass ich dadurch eine derartige Nachrede provoziert habe. Ich kann mich gut erinnern, was mir nicht alles in Zusammenhang mit meinen Geschäften in der ehemaligen DDR angedichtet wurde. Hätte ich ernsthaft jeden Unfug kommentiert, der damals über mich geschrieben wurde, wäre ich damit voll ausgelastet gewesen. Ich muss oft schmunzeln, wenn Schulfreunde meiner Kinder nach Hause kommen und sich wundern, dass der Papa ein ganz normaler Mensch ist.

profil: Sie haben einst Computertechnologie in die DDR verkauft, später unter anderem das Spielkasino in Jericho im palästinensischen Autonomiegebiet eröffnet, dann in Bulgarien einen Mobilfunkbetreiber von einem Geschäftsmann erworben, der kurz zuvor des Landes verwiesen worden war, und sich schließlich auch noch mit der serbischen Regierung angelegt. Unter "normal" versteht man mit Verlaub gemeinhin etwas anderes.

Schlaff: Die Herausforderung hat mich immer
gereizt. Das ist wie beim Bergsteigen. Letzten Endes geht es immer nur um die Frage: Wie hoch ist das Risiko und wie hoch die Risikoprämie?

"Martin ist im Geschäftsleben ein Borderliner. Er traut sich an Dinge heran, bei denen andere vor Angst in die Hosen machen", sagt ein früherer Partner. "Mit allen Konsequenzen, den guten und den schlechten." Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Das scheint überhaupt für jeden zu gelten, der Schlaff auf die eine oder andere Art verbunden ist. Man schätzt ihn, oder man fürchtet ihn. Aber man spricht nicht öffentlich über ihn. So auch jener Mann, der seit Jahresbeginn die Amtsgeschäfte der Republik Österreich führt: Alfred Gusenbauer. Der SPÖ-Chef zog es vor, eine profil-Anfrage am Freitag vergangener Woche unbeantwortet zu lassen.

Die beiden Herren verbindet eine langjährige wie enge
Freundschaft. Am 11. Jänner dieses Jahres etwa durfte Gusenbauer den Ehrengast einer Party geben, zu der Schlaff anlässlich der Angelobung zum Bundeskanzler gebeten hatte. Ein Dutzend Leute war dort. Nur der Kanzler wollte sich anschließend partout nicht an die Fete zu seinen Ehren erinnern.

Was sich wiederum weniger mit übermäßigem Rotweinkonsum als mit schierem politischem Kalkül erklären lässt.

Die Zeitbombe. Ab 16. Juli 2007 steigt der Bawag-Prozess. Helmut Elsner wird sich als einer der Hauptangeklagten wegen mutmaßlichen Betrugs und Untreue
verantworten, Schlaff als einer von zahlreichen prominenten Zeugen im Oktober aussagen müssen. Selbst wenn gegen Schlaff strafrechtlich nichts vorliegt - seine Verwicklung in die Affäre könnte den Bundeskanzler in eine delikate Lage bringen.

Wie heikel die Nähe zu Schlaff mithin sein kann, durfte zuvor schon ein gewisser Wolfgang Schüssel am eigenen Leibe erfahren. Wiewohl die Herren schon aus ideologischen Gründen - Schlaff ist bekennender Sozialdemokrat - niemals Freunde waren, konnte auch Schüssel den Lockrufen des Milliardärs nicht widerstehen. Im März 2003 ließ sich der damalige Kanzler auf einen Kurztrip in die bulgarische Hauptstadt Sofia einladen. Mit Konsequenzen. Die profil-Enthüllung des vergleichsweise unschuldigen Ausflugs kurz vor den Nationalratswahlen im Herbst könnte die ÖVP nach Aussage von Meinungsforschern entscheidende Stimmen gekostet haben.

Auch Gusenbauer war zumindest einmal an Bord des Jets. Am Abend des 17. Mai 2006 durfte er mit OE-INJ vom Finalspiel der Fußball-Champions-League in Paris die Heimreise antreten. Sein Glück, dass er damals noch nicht Kanzler war.

Bis heute ist nicht restlos klar, was Schüssel zuvor nach Sofia getrieben hatte. Er rechtfertigte sich später damit, vor Ort "Werbung" für die Bawag-eigene Klaviermanufaktur Bösendorfer gemacht zu haben.
Schlaff wiederum erklärte einem Mitgereisten damals leise lächelnd: "Schüssel ist vielleicht kein Roter, aber man kann sich auf ihn verlassen."

Verlässlichkeit: eine Tugend, von der auch der Geschäftsmann, er selbst präferiert den Ausdruck "Investor", mehrfach Zeugnis ablegen durfte.

Schüssels Emissär. Im Sommer 2002 etwa erwies er der Republik Österreich den bis dahin größten Dienst. Obwohl er die schwarz-blaue Regierung aus tiefstem Herzen ablehnte, ließ er auf Schüssels Bitte hin seine exzellenten Kontakte zu Israels Premier Ariel Sharon spielen, um eine Normalisierung der zuvor
einseitig abgebrochenen diplomatischen Beziehungen zu erreichen. Seit 2003 hat Israel wieder einen Botschafter in Wien, 2004 stattete Präsident Moshe Katzav Österreich einen Versöhnungsstaatsbesuch ab.

Ganz en passant schaffte er es, auch im Inland hoffnungslos verhärtete Fronten aufzubrechen: Im Jahr 2001 hatte Kärntens FPÖ-Landeshauptmann Jörg Haider bei einer seiner berüchtigten Aschermittwochsreden Ariel Muzicant, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, mit einem Wortspiel zutiefst verunglimpft. Nach einjährigem Gerichtsstreit wurde die Causa außergerichtlich beigelegt - auf Schlaffs Vermittlung. Darauf angesprochen meinte er knapp: "Ein Jörg Haider ist nicht ausschließlich
an seinen Bierzeltsagern zu messen."

Kaum ein Österreicher verfügt heute über ein derart fein gewobenes Beziehungsnetz, welches weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Schlaff wandelt zwischen den Welten ohne erkennbare Berührungsängste. Das macht einen guten Teil seiner Anziehungskraft aus - der ganz offenbar nicht nur österreichische Politiker erliegen.

Nur wenige Monate nach seiner Israel-Mission eilte er in die libysche Hauptstadt Tripolis - auf Drängen des bulgarischen Regierungschefs Simeon Sakskoburggotski. Libyen hält seit 1999 fünf bulgarische Krankenschwestern gefangen, weil sie rund 400 libysche Kinder gezielt mit dem HI-Virus infiziert haben sollen. Schlaff intervenierte
bei keinem Geringeren als Revolutionsführer Muammar Gaddafi. Diesmal mit weniger Erfolg. Die Bulgarinnen wurden 2004 zum Tode verurteilt, über die Vollstreckung der Urteile soll kommende Woche entschieden werden.

Natürlich verfolgte Schlaff zum damaligen Zeitpunkt auch geschäftliche Interessen in Bulgarien. Ihm darob nur wirtschaftliche Motive zu unterstellen, greift dennoch viel zu kurz. Der Unternehmer ist im Laufe der Jahre vielmehr in die Rolle eines stillen
Vermittlers zwischen den Fronten hineingewachsen. Und er gefällt sich zunehmend in der Rolle des Mäzens. Bereits im Jänner 2001 hatte Schlaff in seiner Wiener Wohnung ein geheimes Treffen zwischen Ariel Sharons Sohn Omri und Mohammed Rashid, Berater des inzwischen verstorbenen Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat, organisiert. Über den Nahost-Friedensprozess sagte Schlaff einmal: "Es ist traurig. Die Lösung liegt auf dem Tisch, aber beide Parteien kommen derzeit nicht so weit, ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen. Ich fürchte, es wird noch einiges Leid auf die Menschen in der Region zukommen, ehe endlich Frieden einkehrt."

Der Osthändler. Schlaff hat sein Handwerk im elterlichen Betrieb gelernt. Seine Eltern, Juden aus Polen, waren nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 in einem österreichischen "Displaced Persons"-Lager gelandet und hier sesshaft geworden. Der Ehe entstammen zwei Kinder: James, Jahrgang 1952, und Martin, Jahrgang 1953.

Ende der siebziger Jahre, noch während seines Wirtschaftsstudiums, trat Martin Schlaff in das von seinem Vater und den beiden Geschäftsmännern Ladislaus Moldovan und Friedrich Wiesel 1954 gegründete Handelshaus Robert Placzek ein. Das Unternehmen war vorwiegend im Großhandel mit Textilien, Holz und Papier zwischen Ost und West tätig und erzielte in guten Jahren Umsätze jenseits der 100 Millionen Euro. Der lange Zeit einträgliche Holzhandel wurde inzwischen eingestellt, das Zellulosegeschäft abgestoßen. Die an der Wiener Innenstadt-Adresse Trattnerhof Nummer 1 domizilierte Gesellschaft verwaltet heute hauptsächlich Immobilien im In- und Ausland.

Der junge Martin Schlaff lernte die Regeln des Geschäfts mit Ostblockstaaten im Allgemeinen und der DDR im Besonderen sehr schnell. Aus dieser Zeit datiert auch seine Freundschaft zu der legendenumwobenen ehemaligen KPÖ-Treuhänderin Rudolfine Steindling. Sie ging damals bei den Spitzen der SED-Nomenklatura ebenso ein und aus wie bei österreichischen
Regierungspolitikern, unter ihnen SPÖ-Altbundeskanzler Franz Vranitzky oder Ex-FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger. Nicht selten mit dabei: Martin Schlaff.

Die meisten Verbindungen überdauerten den Fall der Berliner Mauer. Bis heute halten sich auch Gerüchte, Schlaff sei - gegen gutes Geld - maßgeblich an der Verschiebung der Novum-Millionen beteiligt gewesen. Das einst von Steindling geführte Ostberliner Handelshaus hatte für die DDR-Einheitspartei SED ein Vermögen von zuletzt 253 Millionen Euro verwaltet, welches in den Wirren der Wiedervereinigung großteils und spurlos verschwand. Er selbst hat jedwede Verwicklung stets dementiert.

Die frühen DDR-Verbindungen und-Geschäfte mögen nicht unbedingt eine Empfehlung für die
spätere Karriere gewesen sein. Und doch durchlebt Schlaff ein für heimische Verhältnisse letztlich nicht untypisches Schicksal. Das offizielle Österreich schätzt und hofiert ihn - aber wenn geht, bitte im Stillen. Umgekehrt ist das irgendwie nicht anders.

Anfang der neunziger Jahre etwa heftete ihm der damalige Wiener SPÖ-Bürgermeister das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ans Revers, weil Schlaff dem Jüdischen Museum die weltweit größte Sammlung von Antisemitika überlassen hatte. Die Veranstaltung fand - dem Anlass entsprechend eher ungewöhnlich - unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Weil der Geehrte das partout nicht wollte.

Wolfgang Schüssel wiederum versuchte seine an sich nicht anrüchige "Werbereise" für ein österreichisches Unternehmen nach Sofia über drei Jahre totzuschweigen, anstelle dies offensiv zu vermarkten. Weil Schlaff der Organisator war.

Alfred Gusenbauer freut sich bekanntlich über jede Party. Aber die eine zu seiner Angelobung soll nie stattgefunden haben. Weil Schlaff der Gastgeber war.

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Der Strippenzieher - Die irren Deals des Martin Schlaff

Embargoware für die DDR, Spieltische in Palästina und Millionendeals mit harten Jungs: Grenzgänge haben Martin Schlaff zu einem der reichsten Österreicher gemacht.

Kinder können mithin die unmöglichsten Dinge erfragen, etwa: "Papa, was bist du eigentlich von Beruf?" So jüngst geschehen im Hause Schlaff. Die Antwort, berichten Vertraute, sei Daddy zunächst nicht leicht gefallen. Am Ende soll er es bei einem schlichten "Investor" belassen haben.

Wahr ist: Die Operationen eines Martin Schlaff lassen sich auch Erwachsenen nicht ohne Weiteres nahebringen. Er verdankt seine Fortüne teils hochriskanten Engagements in mehr oder minder exotischen Weltgegenden. Auch bei der Auswahl seiner Geschäftspartner war er nie zimperlich: Stasi-Offiziere, PLO-Kämpfer, untermittelmäßig beleumundete Geschäftsleute aus Bulgarien, Russland und Serbien. Schlaffs Privatvermögen wird inzwischen auf zwei Milliarden Euro taxiert, was ihn zu einem der reichsten Österreicher macht. Doch der Preis war hoch. Sein Karriereweg ist gepflastert mit Schlagworten wie "Konspiration", "Intransparenz" oder schlicht "Skandal". Nicht nur einmal lösten seine Aktivitäten polizeiliche Ermittlungen aus; nicht nur einmal musste er sich langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen stellen.

Die "Wappen"-Verschwörung: Im Februar 1990 zog der damals stark im Osthandel verankerte Unternehmer seinen bis dahin spektakulärsten Deal an Land: Die Ostberliner Import- und Exportgesellschaft (BIEG) beauftragte die Schweizer Lomer AG, eines von Schlaffs zahlreichen Vehikeln, unter größter Geheimhaltung mit der Lieferung von 24.400 Festplattenspeichern für Personal Computer aus Singapur. Geheimhaltung deshalb, da Computerteile unter Embargo standen. Der beziehungsreiche Deckname des Geschäfts: "Wappen". Gegenwert: umgerechnet 42,7 Millionen Euro.

Ehe Schlaff tatsächlich darüber disponieren konnte, mussten zwölf Jahre vergehen. Die deutsche Bundesregierung um den damaligen Kanzler Helmut Kohl hatte unmittelbar nach der Wiedervereinigung begonnen, mutmaßliche Verschiebungen von SED-Geldern zulasten der Bundesrepublik aufzuarbeiten. Mit im Zentrum der Investigationen: Österreichs KPÖ, deren Treuhänderin Rudolfine Steindling und eben Martin Schlaff. Schlaff geriet zunächst in den Verdacht, für die Stasi spioniert zu haben, später musste er sich den Vorwurf gefallen lassen, die Festplatten überhaupt nicht geliefert zu haben, die Gelder aus dem "Wappen"-Geschäft wurden eingefroren. Die Staatsanwaltschaft Berlin erließ Haftbefehle gegen Schlaff und eine Reihe früherer Geschäftspartner, vier von ihnen wanderten vorübergehend in U-Haft. Im März 1998 schließlich klagte die damals zuständige Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben Schlaff und dessen eidgenössische Lomer AG vor dem schweizerischen Bezirksgericht Arbon auf Rückerstattung des Festplattenkaufpreises.

Es verstrichen weitere vier Jahre, ehe Schlaff das Geld schließlich rechtskräftig zugesprochen bekam. Die KPÖ und Steindling hatten im Rechtsstreit um die sagenumwobenen Novum-Millionen - Streitwert: 253 Millionen Euro - dagegen weniger Glück. Im Oktober 2004 sprach der deutsche Bundesverwaltungsgerichtshof das Vermögen des früheren Ostberliner Handelshauses endgültig der Bundesrepublik Deutschland zu.

Brennpunkt Jericho: Eines der dunkleren Kapitel in der an dunklen Kapiteln nicht armen Geschichte der Bawag. 1997 war es Schlaff gelungen, seinen engen Freund und Bawag-Chef Helmut Elsner gemeinsam mit Casinos-Austria-Generaldirektor Leo Wallner zu einem Engagement im Nahen Osten zu überreden: das inzwischen legendäre "Oasis"-Kasino im palästinensischen Autonomiegebiet Jericho. Ein Husarenstück, welches in der Region bis heute seinesgleichen sucht. Zu den österreichischen Partnern waren auf israelischer Seite der damalige Rechts-anwalt von Premier Ariel Sharon, Dov Weissglass, auf palästinensischer Seite der Vertraute von PLO-Chef Jassir Arafat, Mohammed Rashid, mit von der Partie.

Weil Glücksspiel in Israel verboten ist, erwies sich das Kasino als Goldgrube. Bis zu 8000 Zocker stürmten den Spieltempel (124 Spieltische, 278 Automaten) täglich, allein im ersten Jahr setzte das "Oasis" 160 Millionen Dollar um. Mit Ausbruch der zweiten Intifada im Oktober 2000 musste der Laden allerdings dichtmachen - und ist es bis heute.

Dessen ungeachtet führte die Bawag ihren (mittlerweile verkauften) Kasino-Anteil noch über Jahre mit einem Fantasiewert von 120 Millionen Euro in den Büchern, um so die in der Karibik angelaufenen Spekulationsverluste zumindest teilweise zu verschleiern.

Später machten auch Gerüchte über eine angebliche Verstrickung Schlaffs in einen Parteispendenskandal um Ariel Sharon die Runde. Der Premier hatte 2002 über den südafrikanischen Geschäftsmann Cyril Kern insgesamt mehr als vier Millionen Dollar an - in Israel illegalen - Parteispenden erhalten, um Schulden aus seinem parteiinternen Wahlkampf um die Likud-Spitze 1999 zu decken. Ermittlungen der israelischen Justiz nährten einen schwer wiegenden Verdacht: Cyril Kern soll damals lediglich als Strohmann für - erraten - Martin Schlaff gedient haben.

Derselbst hat trotz handfester Indizien stets jedwede Verbindung in Abrede gestellt. Ganz so zu Hause dürfte er sich dort aber nicht mehr fühlen. 2005 verkaufte Schlaff seine 22-Millionen-Dollar-Villa in Herzliya nördlich von Tel Aviv eher überraschend an einen israelischen Geschäftsmann. Seither ist er nicht mehr in Israel eingereist.

Tanz auf dem Balkan: Man nehme: einen russischstämmigen Oligarchen, der wegen mutmaßlich krimineller Handlungen soeben seiner Wahlheimat Bulgarien verwiesen wurde. Man bilde: ein Konsortium aus vorgeblich seriösen Geschäftsleuten. Man kaufe: den lokalen Mobilfunkbetreiber um einen Pappenstiel.

2002 hatte Schlaff zusammen mit seinem Investmentberater Herbert Cordt (Exsekretär von SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch), Josef Taus (ÖVP-Vizekanzler a. D.) und - no na - der Bawag die bulgarische Mobiltel von Schlaffs Spezi Michael Cherney erworben. Kaufpreis: 768 Millionen Euro, finanziert von der Bawag. 2005 wurde Mobiltel um 1,6 Milliarden Euro an die Telekom Austria weitergereicht, rechnerischer Gewinn: rund 830 Millionen Euro.

Zwei Jahre und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss später zeigt sich: Auch in diesem Fall waren die Begleitumstände odios. Taus musste einbekennen, nur Schlaffs Strohmann gewesen zu sein, Cordt steht mittlerweile im Verdacht, unter anderem als Treuhänder für Helmut Elsner fungiert zu haben. Die Bawag? Führte vorübergehend einen Mobiltel-Anteil von 30 Prozent in den Büchern, obwohl auch sie nur Schlaffs Treuhänderin gewesen sein soll. Die dafür erhaltene "Provision" von 75 Millionen Euro wurde ebenfalls dazu verwendet, die Karibik-Verluste zu camouflieren.

Slobos Clan: Der Mobiltel-Deal war noch nicht in trockenen Tüchern, da versuchte Schlaff, das Spiel in Serbien zu wiederholen. Im August 2005 kaufte er die Mehrheit am Mobilfunkbetreiber Mobtel (später: Mobi63) aus dem Besitz des früheren Günstlings von Serbenführer Slobodan Milosevic, Bogoljub Karic.

Taus und Cordt waren einmal mehr auf dem Papier beteiligt, die Bawag dagegen nicht, da Helmut Elsner 2003 pensionsbedingt abhandengekommen war. Der Plan, auch Mobtel der Telekom Austria zuzuführen, scheiterte. Nach wilden Auseinandersetzungen mit der serbischen Regierung und vergeblichen Interventionen des damaligen BZÖ-Vizekanzlers Hubert Gorbach wurde Mobtel 2006 an die skandinavische Telenor-Gruppe verkauft. Schlaff soll daran 250 Millionen Euro verdient haben.

Nah am Feuer: Schlaffs jüngster Deal nimmt sich vergleichsweise solide aus. Vor wenigen Wochen hat er über seine MS-Privatstiftung ein Viertel des börsenotierten RHI-Konzerns (1,2 Milliarden Euro Umsatz, 6500 Mitarbeiter), der auf die Erzeugung feuerfester Stoffe spezialisiert ist, übernommen. Wert des Aktienpakets: rund 470 Millionen Euro. Schlaff wäre nicht Schlaff, hätte er nicht zumindest mit seiner eigenwilligen Personalpolitik für Aufsehen gesorgt.

Hubert Gorbach wurde für seine Serbien-Intervention mit einem RHI-Aufsichtsratsmandat belohnt, obwohl er vom Geschäft selbst eher wenig versteht. Stefano Colombo, zuvor Finanzvorstand der Telekom Austria, durfte in den RHI-Vorstand einziehen. Er hatte einst den sagenhaften Mobiltel-Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro mitverantwortet.

Der RHI-Deal ist inzwischen auch ein Fall für die Übernahmekommission. Seit Wochenbeginn wird geprüft, ob Schlaff den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten muss.

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