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Skandalland Österreich . . . (k)ein Schurkenstaat ?

Meinl plante Flucht in die Schweiz

Julius Meinl (links) mit Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser:

Foto: APA/Key

Finanzmarktaufsicht nimmt Bankier und mutmasslichen Millionenbetrüger ins Visier

Von Beat Schmid

Wien/Zürich

In der Wiener Gesellschaft ist er eine der schillerndsten Figuren: Julius Meinl, 49, Träger feinster englischer Massanzüge, Freund und Geschäftspartner von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Banker und Liebhaber von britischen Nobelkarossen. Im Fond seiner Bentley-Limousine sieht man ihn durch die Innenstadt fahren. Der Chauffeur trägt ihm die Aktentasche und hält sie ihm über den Kopf, wenn es regnet.

Doch der Glanz des Julius Meinl ist ab. Als er am vergangenen Mittwoch vor das Wiener Straflandesgericht geladen wurde, musste er dort mysteriöse Transaktionen seiner Privatbank erklären, die bereits vor Ausbruch der Finanzkrise Tausende private Anleger, darunter viele einfache Bürger, um Millionen gebracht hatte und seither die österreichische Öffentlichkeit bewegt.

Als sich nach einem mehrstündigen Verhör die Beweislage «stark verdichtete», wurde er wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen. Bei der Aussicht auf eine Nacht in einer Zelle soll der Gentleman «vollkommen die Contenance» verloren haben, berichten Beobachter. Flugs schaffte er aus Liechtenstein die nötigen 100 Millionen Euro für die Kaution heran, doch der Wiener Snob, der stolz darauf ist, noch nie ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt zu haben, musste eine zweite Nacht in der Zelle schmoren. Offenbar fürchteten die Richter, dass der Finanzfuchs in der Lage wäre, die Transaktion wieder rückgängig zu machen.

Im Kern wird ihm Untreue und Anlagebetrug vorgeworfen. Im Zentrum steht die 1997 gegründete und auf Jersey domizilierte Investmentgesellschaft Meinl European Land (MEL), die an der Wiener Börse kotiert wurde. Heute heisst die Gesellschaft Atrium Real Estate. Laut Staatsanwaltschaft soll MEL Zertifikate ausgegeben haben, die heimlich über mehrere Firmen mit dem Geld der Anleger zurückgekauft wurden, um so den Kurs zu stützen. Nach mehreren Kapitalerhöhungen brach das System kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2007 zusammen. Im Mai und Juni 2007 hatte Meinl mit Power (MIP) und Airports (MAI) zwei weitere Jersey-Gesellschaften lanciert, die an der Börse kotiert wurden. Meinl holte mit Karl-Heinz Grasser einen zugkräftigen Namen an Bord einer seiner Gesellschaften. Das System funktionierte: In die Fonds flossen Milliarden.

Die MEL-Papiere wurden als «quasi mündelsicher» einer breiten Anlegerschaft angepriesen. Die Staatsanwaltschaft wirft Meinl vor, dass bei der Emission der Papiere «extrem hohe Gebühren» an Treuhänder bezahlt worden seien. Zudem mussten die Gesellschaften beträchtliche Lizenzgebühren für die Benutzung des Namens Meinl an die Meinl Bank bezahlen. Ebenfalls von Meinl kontrollierte Management-Gesellschaften sollen happige Gebühren für die Verwaltung des Fonds bezogen haben.

Wie viel Geld hat Meinl in die Schweiz verschoben?

Wegen Fluchtgefahr wurde ihm vorsorglich der Pass abgenommen. Offenbar stand am Tag seiner Verhaftung ein vollbetankter Privatjet am Flughafen Wien-Schwechart bereit. Wie aus Wiener Kreisen zu hören ist, wollte sich Meinl offenbar in die Schweiz absetzen, weil es ihm in seiner Heimat zu heiss geworden war. Seit Monaten zirkulieren entsprechende Gerüchte.

Meinl soll grosse Vermögenswerte in Schweizer Banken geparkt haben, wie Quellen aus seinem Umfeld berichten. Meinl kennt die Schweiz aus seiner Studienzeit an der Universität St. Gallen. Damals wohnte er am noblen Rosenberg. Noch heute findet sich der Eintrag in der Auskunftsdatei Teledata.

Bisher kaum wahrgenommen wurde, dass Meinl auch in der Schweiz geschäftlich aktiv ist. Die Citation SA mit Sitz in Zürich ist eine Effektenhändlerin, die sich der «individuellen und persönlichen Betreuung wohlhabender Privatanleger» verschrieben hat und sich vollständig in seinem Besitz befindet. Meinl ist deren Vizepräsident.

Die Gesellschaft untersteht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Diese ist aktiv geworden, wie ein Sprecher gegenüber der SonntagsZeitung bestätigt. «Wir machen eine Voruntersuchung für eine Gewährsprüfung.» Das bedeutet: Die Finma klärt angesicht der massiven Anschuldigungen der Wieder Staatsanwaltschaft ab, ob Meinl noch Gewähr für eine einwandfreie Geschäftsbesorgung bieten kann.

Ebenfalls unter Beobachtung der Finma ist der Geschäftsführer der Citation SA, Georg J. Kucian, ein Schweizer. Laut Handelsregister amtiert er auch als Verwaltungsrastspräsident der Meinl European Real Estate Advisory AG in Zürich. Laut österreichischen Medienberichten ist sie eine von diversen Gesellschaften, die in den Finanzskandal verwickelt sind. Laut dem Finma-Sprecher liegt der Schweiz noch kein Gesuch für Amts- oder Rechtshilfe von den österreichischen Behörden vor.

Meinl-Mohr ist die bekannteste Marke in Österreich

Meinl ist der Erbe eines Grosshandelsimperiums in der fünften Generation. Als er vor 25 Jahren das Erbe antrat, übernahm er eine Gesellschaft, die bereits zu Zeiten der Habsburger Monarchie die gehobene Gesellschaft über sein weites Filialnetz mit Feinkost belieferte. Die Kunden konnten schon damals ihre Sparbatzen in den Filialen anlegen. Daraus entstand die Meinl Bank. Der junge Spross verkaufte bald das Handelsgeschäft an Billi und Spar und konzentrierte sich auf die Finanzgeschäfte. In den 80er- und 90er-Jahren baute er die Meinl Bank zu einer Investmentbank um, die zahlreiche Börsengänge durchführte, darunter jenen des Wettunternehmens Bet and Win.

Der Meinl-Mohr, der einen roten Fez trägt, ist eine der bekanntesten Marken in Österreich. Ihren Wert hat Julius V. nachhaltig abgewirtschaftet.

Publiziert am 05.04.2009
von: sonntagszeitung.ch

 


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