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Skandalland Österreich . . . (k)ein Schurkenstaat ?

Wiener Zeitung.

Definition von "Chuzpe"

 

"Chuzpe", pflegte mein jüdischer Großonkel zu sagen, "ist, wenn einer vor Gericht steht, weil ihm nachgewiesen worden ist, dass er Vater und Mutter erschlagen hat – und er fordert mildernde Umstände, weil er kürzlich seine Eltern verloren hat."

Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat jüngst eine andere launige Definition für Chuzpe gefunden. Aber um die in ihrem vollen Witz begreifen zu können, bedarf es einer kurzen Erinnerung. Und zwar an die sogenannte Mauerbach-Auktion.

In der Kartause Mauerbach lagerten zahlreiche Kunstgegenstände, die von den Nationalsozialisten geraubt worden waren. Von der Republik Österreich wurden diese Werke als "herrenloses Kulturgut" eingestuft. 1995 wurde der Bestand an die Israelitische Kultusgemeinde übergeben. 1996 fand die Auktion statt, bei der 1030 Objekte versteigert wurden und einen Erlös von rund 155 Millionen Schilling (etwa 11 Millionen Euro) brachten, die in einen Fonds der Kultusgemeinde flossen, der für jüdische Opfer des Nationalsozialistischen Regimes eingerichtet wurde.

Jüngst konnte nun die Provenienzforscherin Sophie Lillie nachweisen, dass es sich beim Mauerbach-Bestand keineswegs nur um "herrenloses Kulturgut" gehandelt hatte. In vielen Fällen wären die Besitzer oder deren Erben eruierbar gewesen.

Wobei die Kultusgemeinde als letzter Besitzer der Objekte vor der Auktion entweder keine Provenienzforschung betrieben oder sich blind auf die Aussage des damaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky verlassen hat, keines der Objekte sei ein Fall für die Restitution. Damit hat die Kultusgemeinde eine ähnliche Handlungsweise an den Tag gelegt, wie sie Ariel Muzicant jetzt dem Sammler Rudolf Leopold vorwirft. Aber das nur am Rande.

Kommen wir lieber zu Ariel Muzicants amüsanter Definition von "Chuzpe". Ariel Muzicant also meinte laut ORF-Sendung "Zeit im Bild", angesichts dieser Erkenntnisse sei es an der Republik Österreich, den rechtmäßigen Besitzern oder deren Erben eine entsprechende Entschädigung zu zahlen. Also de facto eine Entschädigung für den größeren Auktions-Erlös, der ausschließlich der Kultusgemeinde zugute kam, deren Präsident, wie gesagt, Ariel Muzicant ist.

Das also nenne ich eine launige und wirklich witzige Definition von "Chuzpe". Denn ernst gemeint kann er das nicht haben, der Ariel Muzicant.

Printausgabe vom Samstag, 06. Dezember 2008

 


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